Themen: homonyme antonyme

Die deutsche Sprache hat aktuell 300.000 bis 500.000 Wörter. Das ist ganz schön viel!  Damit du den Überblick bewahrst, erkläre ich dir zuerst, was der Wortschatz einer Sprache überhaupt ist. Und warum es so wichtig ist, diesen Wortschatz zu erweitern. Du wirst schnell merken: Je größer der Wortschatz deines Kindes ist, desto besser sind seine Schulnoten! In diesem ersten Teil der Wortschatz-Reihe mache ich euch mit Antonymen und Homonymen bekannt. Dazu stelle ich euch Übungsmaterial zur Verfügung – so könnt ihr mit euren Kindern zu Hause ganz leicht den Wortschatz vergrößern! 🤗

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Der Wortschatz einer Sprache

Mit dem Begriff „Wortschatz“ bezeichnet man alle Wörter einer Sprache. Wie bereits erwähnt, gibt es im Deutschen schätzungsweise 300.000 bis 500.000 Wörter. Und Sprachen verändern sich ständig. Es kommen laufend neue Wörter hinzu – meistens aus anderen Sprachen. Vor allem englische Wörter gehen vermehrt in den deutschen Wortschatz ein – sie werden „eingedeutscht“. Zum Beispiel gab es das Wort „googlen“ in der deutschen Sprache vor ein paar Jahren noch nicht. Heute kennt das Wort jeder und es hat sogar einen eigenen Eintrag im Duden-Wörterbuch. Andererseits gibt es auch Wörter, die man heutzutage nicht mehr braucht und die in Vergessenheit geraten. Oder weißt du, was „Knan“ bedeutet? Das ist ein altes Wort für „Vater“. Heute verwendet es niemand mehr. Den größten Wortschatz hat übrigens die englische Sprache: Sprachwissenschaftler gehen davon aus, dass es im Englischen 620.000 Wörter gibt. 😮

 

Jeder Mensch hat einen individuellen WortschatzKinder kennen und verwenden zum Beispiel weniger Wörter als ein Erwachsener. Und du verwendest wahrscheinlich auch andere Wörter als dein Hausnachbar. Erstaunlich, nicht wahr? Obwohl wir alle dieselbe Sprache sprechen, gibt es doch Unterschiede. Der Wortschatz und die Größe des Wortschatzes sind davon abhängig, wie und in welchem Umfeld wir aufwachsen. Ausbildung, Interessen und Beruf beeinflussen den Wortschatz auch wesentlich.

 

Der individuelle Wortschatz wiederum wird in den aktiven und den passiven Wortschatz unterteilt. Der aktive Wortschatz umfasst all jene Wörter, die wir beim Sprechen und Schreiben verwenden. Diese Wörter benutzen wir also aktiv. Den passiven Wortschatz könnte man auch als „Verstehenswortschatz“ bezeichnen. Das sind alle Wörter, die wir verstehen, wenn wir sie hören oder lesen. Jedoch benutzen wir sie nicht aktiv. Dieser passive Wortschatz ist bei jedem Menschen viel größer als der aktive Wortschatz. 👂 👄

 

Wenn man eine Sprache lernt, macht man sich zunächst mit dem Grundwortschatz vertraut. Dieser Grundwortschatz enthält die wichtigsten und am häufigsten gebrauchten Wörter in der jeweiligen Sprache. Beherrscht du den Grundwortschatz, kannst du viele Texte einer Sprache verstehen und dich in Alltagssituation artikulieren. An den Grundwortschatz schließt sich der Aufbauwortschatz. Dieser ermöglicht es, auch komplexe Texte zu verstehen und in den unterschiedlichsten Situationen zu kommunizieren. 📖

 

Wenn Deutsch deine Muttersprache ist, beherrscht du den Grundwortschatz schon sehr früh. Im Laufe des Lebens lernen wir ganz automatisch immer mehr Wörter – im Austausch mit anderen, durch Fernsehen und Lesen. Vielleicht fragst du dich jetzt: Warum sollte mein Kind dann Übungen zur Wortschatzerweiterung machen? Wenn das doch automatisch geht? Zum einen betrifft dieser unbewusste, automatische Wortschatzerwerb nur eine begrenzte Anzahl an Wörtern – das sind Wörter, die in unserem Umfeld häufig verwendet werden. Oder die wir in Filmen hören. Wenn man sich immer in demselben Umfeld bewegt und wenig liest, wird der Wortschatz sich irgendwann nicht mehr großartig weiterentwickeln. Zum anderen erleichtert ein großer Wortschatz in vielerlei Hinsicht das Leben und macht es schöner! Je früher man über einen umfangreichen Wortschatz verfügt, desto besser. Es macht einen großen Unterschied, ob man mit einem eingeschränkten oder einem größeren Wortschatz durchs Leben geht! ✔️

 

Was bringt ein größerer Wortschatz?

Sobald wir in der Früh die Augen aufschlagen, beginnen wir zu kommunizieren – hauptsächlich mithilfe unserer Sprache. Wir sprechen mit Familienmitgliedern, Freunden, Arbeitskollegen. Und vielleicht sogar mit einem Fremden auf der Straße, der nach dem Weg fragt. Menschen sind soziale Wesen – wir müssen uns mit anderen austauschen. Das tun wir, bis wir uns abends ins Bett legen und einschlafen. Unser Hauptkommunikationsmittel ist die Sprache – sie beeinflusst in vielerlei Hinsicht unser Leben. Vor allem bereichert die Sprache unser Leben und eröffnet uns viele Möglichkeiten. 👍

 

🗣️ Wortschatz vor Grammatik

Es ist toll, wenn du alle Grammatikregeln beherrschst. Aber das allein ermöglicht dir noch nicht, dich in einer Sprache auszudrücken. Dazu brauchst du auch den Wortschatz! Umgekehrt wirst du dich verständlich machen können, wenn du schon ein paar Wörter kennst – selbst wenn dir die Grammatik der Sprache unbekannt ist.

💡 Verständnis 

Ganz klar: Je größer der Wortschatz, desto mehr verstehen wir – egal ob wir einen Text lesen oder uns mit jemandem unterhalten. Wir verstehen schneller, was gemeint ist, und können Missverständnissen vorbeugen.

📚 Besser lesen 

Die Förderung des Wortschatzes führt zu einer besseren Leseleistung. Dein Kind wird schneller lesen und das Gelesene besser verstehen, wenn sein Wortschatz größer ist.

👏 Einen guten Eindruck machen 

Ein größerer Wortschatz ermöglicht es, sich besser auszudrücken. Wer sich gut artikulieren kann, macht auf andere einen besseren Eindruck. Menschen werden abhängig von ihrer Ausdrucksweise positiv oder negativ beurteilt. Mit Sprachgewandtheit punktet man bei Präsentationen und Bewerbungsgesprächen.

📝 Sicher schreiben

Mit einem umfangreichen Wortschatz wird dein Kind außerdem sicherer schreiben. Denn dadurch steht ihm eine größere Zahl an Begriffen zu Verfügung – dein Kind wird stilistisch bessere und abwechslungsreichere Texte schreiben können.

👂 Aufmerksamkeit 

Je mehr Wörter man kennt, desto genauer und lebhafter kann man Ereignisse, Gefühle und Gedanken beschreiben. Schmückende Wörter und lebhafte Vokabeln machen das Erzählte interessanter und spannender. Dadurch zieht man seine Leser oder Zuhörer in den Bann.

💬 Debatten meistern 

In Diskussionen hilft ein breit gefächerter Wortschatz, Fakten und Argumente verständlich zu erklären und damit das Gegenüber zu überzeugen.

🧠 Flexibles Denkvermögen 

Der Philosoph Ludwig Wittgenstein hat gesagt: „Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt.“ Damit meint er: Was wir Menschen mit der Sprache nicht ausdrücken können, existiert nicht. Deshalb ist Sprache so mächtig. Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft bestehen oft Jahrzehnte, sogar Jahrhunderte. Bewusst werden sie uns erst, wenn jemand sie anspricht. Erst dann können wir beginnen, diese Ungerechtigkeiten aus dem Weg zu räumen – denn erst dann sind sie real für uns. So beeinflusst Sprache unser Denken und unsere Weltanschauung. Sie ermöglicht es uns, unsere Realität aus einer anderen Perspektive zu betrachten, zu hinterfragen und zu verbessern.

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Das schönste deutsche Wort 😍

Vor ein paar Jahren wurde vom Deutschen Sprachrat das schönste deutsche Wort ausgesucht. Insgesamt 22.838 Wörter aus vielen verschiedenen Ländern wurden dem Sprachrat vorgeschlagen. Daraus wählte eine Jury die folgenden Gewinner: 🏆

  1. Habseligkeiten 
  2. die Geborgenheit 
  3. lieben 
  4. der Augenblick 
  5. die Rhabarbermarmelade 

Annamaria Musakova aus der Slowakei hat zum Beispiel bei der Wahl des schönsten deutschen Wortes mitgemacht. Sie sagt dazu: 

„Mein schönstes deutsches Wort lautet: Geborgenheit, weil es kein Wort in meiner Muttersprache (ich komme aus der Slowakei) gibt, das die genaue Bedeutung dieses Wortes enthalten würde. Ich liebe dieses Wort, weil ich kein anderes Wort kenne, mit dem man ausdrücken könnte, dass man sich so geborgen, gut, eingelebt … irgendwo fühlt. In meiner Sprache kann man die Gefühle der Geborgenheit nicht in Worte fassen. Das macht aus diesem Wort mein Lieblingswort der deutschen Sprache.“

Es wurde auch das schönste Wort der Kinder gewählt – gewonnen hat „Libelle“. Sylwan Wiese (9 Jahre, aus Deutschland) sagt zu seinem Lieblingswort:

Mein schönstes deutsches Wort ist Libelle, weil ich Wörter mit dem Buchstaben l liebe und dieses Wort sogar drei davon hat. Das Wort lässt sich irgendwie so leicht sprechen. Das flutscht so auf der Zunge. Aber ich finde auch, dass Libellen so schön flattern und genau das erkennt man auch in dem Wort. Das Wort macht, dass man diese Tiere von Anfang an mag und keine Angst vor ihnen hat. Würde das Tier Wutzelkrump oder so heißen, dann wäre das nicht so. Ich wüsste gerne, wer sich dieses Wort ausgedacht hat. Der Mensch war bestimmt sehr freundlich. Weil das Wort das freundlichste ist, das ich kenne.“

Zu Beginn des Wortschatzunterrichts frage ich meine eigenen Schüler immer, was ihr Lieblingswort ist. Das mit Abstand am häufigsten genannte Lieblingswort ist „Schmetterling“. Auch „Regenbogen“, „Marienkäfer“, „Leben“, „Sehnsucht“ und „Liebe“ werden oft angeführt. 🦋

 

Was ist dein deutsches Lieblingswort? Und warum ist es dein Lieblingswort? Findest du den Klang des Wortes schön? Oder erinnert es dich an etwas Schönes? Welche Gefühle ruft das Wort in dir hervor? ❤️

 

Was ist ein Antonym?

Beginnen wir nun, deinen Wortschatz zu vergrößern: Wir fangen mit Antonymen an. Ein Antonym ist ein Gegensatzwort. Antonyme sind also Wörter, die eine gegensätzliche Bedeutung haben. „Links“ und „rechts“, „gut“ und „schlecht“, „oben“ und „unten“ sind Antonyme. Zwei Wörter, die inhaltlich das Gegenteil voneinander ausdrücken, nennt man Gegensatzpaar. „Viel“ und „wenig“ sind also zum Beispiel ein Gegensatzpaar. ⬅️ ➡️

 

Ich stelle dir Übungsmaterial zur Verfügung, mit dem dein Kind Antonyme spielerisch lernen kann. Das Material verwende ich auch für meine eigenen Schüler, um ihnen ein Verständnis von gegensätzlichen Wörtern zu vermitteln. Es ist eine Art von Puzzle –  Gegensatzpaare müssen erkannt und zusammengelegt werden. Meinen Schülern bereitet das Spiel immer große Freude – es macht Spaß, fördert selbstständiges Arbeiten und inspiriert sie zu einer vertiefenden Auseinandersetzung mit Antonymen. Die meisten meiner Schüler waren nach dem Spiel motiviert, eigenständig noch weitere Gegensatzpaare zu entdecken. 👍

 

Spielanleitung: Drucke die vier Seiten des Dokuments aus. Auf der ersten Seite siehst du ein leeres Dreieck, das in viele kleine Dreiecke unterteilt ist. Schneide das große Dreieck aus – das ist dein Spielbrett. Gegebenenfalls kannst du es auch auf einen Pappkarton kleben, damit es fester ist. Auf der zweiten Seite sind die kleinen Dreiecke mit Verben gefüllt. Schneide alle kleinen Dreiecke aus – am Ende solltest du 16 Dreiecke haben. Das mittlere Dreieck mit dem schwarzen Punkt legst du auf das Spielbrett – genau in die Mitte über den schwarzen Punkt. Die restlichen 15 Dreiecke muss dein Kind nun richtig um das Dreieck in der Mitte anordnen, indem es Gegensatzpaare bildet. Das Verb „lachen“ muss zum Beispiel zu dem Wort „weinen“ gelegt werden. Denn „lachen“ und „weinen“ sind ein Gegensatzpaar. Dasselbe gilt für das dritte Dreieck mit Nomen und das vierte Dreieck mit Adjektiven. Der Schwierigkeitsgrad der Wörter steigt – das Dreieck mit den Adjektiven enthält komplexere Wörter als das zweite Dreieck mit den Nomen. Am leichtesten ist das erste Dreieck mit den Verben. Verwende das Dreieck, das zu der Sprachkenntnis deines Kindes passt. Sollte ein Dreieck zu schwierig für dein Kind sein, lass es – Überforderung ist demotivierend und das Spiel soll Spaß machen. Wenn dein Kind konstant an seinem Wortschatz arbeitet, wird es in ein paar Monaten auch das schwierige Dreieck schaffen! ✂️ 

 

Hier geht's zum Download des Spiels! 🔻

SPIEL DOWNLOAD

Mein Tipp: Das isolierte Üben von einzelnen Wörter sollte unbedingt durch das Einbetten in Sätze ergänzt werden. Es braucht einen Kontext, um ein Wort richtig verwenden zu können. Bitte dein Kind, zusätzlich mit jedem Wort einen Satz zu bilden. ✍️

 

Was ist ein Homonym?

Die nächste Art von Wörtern, die wir uns genauer anschauen, sind Homonyme. Homonyme sind Wörter, die gleich aussehen, jedoch unterschiedliche Bedeutungen haben. Ein Homonym ist also mehrdeutig. Das Wort „Bank“ ist zum Beispiel ein Homonym: Einerseits ist das eine Sitzgelegenheit, wie du sie aus dem Park kennst. Andererseits ist es auch ein Geldinstitut, wo du Geld abheben kannst. Aus dem Kontext erkennt man, welche Bedeutung gemeint ist. Vergleiche etwa das Wort „Schloss“ in den zwei folgenden Sätzen:

Lisa dreht den Schlüssel im Schloss, um die Tür zu verschließen. 🔒

In dem Schloss lebte eine verzauberte Prinzessin. 🏰

Du siehst: Das Wort schaut exakt gleich aus, hat aber jeweils eine andere Bedeutung. Die Bedeutung wird klar, wenn wir den ganzen Satz betrachten. Im ersten Satz bezeichnet „Schloss“ eine Schließvorrichtung, im zweiten ein schönes, großes Gebäude.

Manchmal lässt sich der Bedeutungsunterschied am Plural (Mehrzahl) oder am Artikel erkennen. So ist der Plural des Geldinstituts „die Banken“. Der Plural der Sitzgelegenheit allerdings lautet „die Bänke“. Das Wort „Kiefer“ wiederum hat zwei Bedeutungen, die unterschiedliche Artikel haben. „Die Kiefer“ ist ein Nadelbaum, „der (oder auch „das“) Kiefer“ ist ein Knochen, den wir zum Kauen benutzen.

Ich stelle dir ein Dokument bereit, mit dem dein Kind Homonyme lernen kann. Darauf sind Witze, in denen sich Homonyme verstecken. Lustig sind die Witze deshalb, weil die falsche Bedeutung des jeweiligen Homonyms eingesetzt wird. Manche Homonyme sind wirklich knifflig, also vielleicht benötigt dein Kind ein wenig Hilfe. Die Übung unterstützt die Stärkung der Sprachkompetenz und regt zur Reflexion über Sprache an. Das Rätsel zu lösen und das Homonym zu finden, macht außerdem Spaß. Die Aufgabe wird dir und deinem Kind die Vielseitigkeit der deutschen Sprache vor Augen führen. 🤣

 

Hier geht's zum Download! 🔻

LERNMATERIAL DOWNLOAD

Mein Tipp: Schau dir mit deinem Kind die beiden Bedeutungen des jeweiligen Homonyms genau an. Noch einen Schritt weiter, könnt ihr sogar überlegen, ob die beiden Bedeutungen unterschiedliche Artikel oder Pluralformen haben. 🤔

Den Wortschatz zu erweitern kann sehr viel Spaß machen! Benutze mein Übungsmaterial und lerne Antonyme und Homonyme kennen!

Up Next: Personenbeschreibung im  Wortschatztraining – stay tuned! 💪

 

Über Elisabeth
elisabeth 

Elisabeth ist GoStudent Lernexpertin rund um Lesen, Schreiben, Sprache und spielerisches Lernen. Sie bringt langjährige Erfahrung in Buchgestaltung, dem Lehren von Germanistik und Lektorat mit. Ihre Tipps umfassen unter anderem Sprachenlernen, das Verfassen von Texten und die Verbesserung der Lesekompetenz bei Schülern. Ihr ist es ein großes Anliegen, dass das Lernen Spaß macht. Deshalb hält sie viele Tipps zum spielerischen Lernen für euch bereit! 💪

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