Neben all den Herausforderungen, vor die uns die Corona-Krise stellt, bietet sie uns auch Chancen. Ja, man kann dem Lockdown tatsächlich etwas Positives abgewinnen! Er stärkt nicht nur den Familienzusammenhalt und die digitale Kompetenz, sondern eröffnet uns auch die Möglichkeit für persönliches Wachstum. Vor allem lernen wir dadurch, unser Leben selbst zu strukturieren. Zuvor hat diese Aufgabe meist unsere Arbeit bzw. die Schule übernommen. Besonders Schüler können diese Chance jetzt nutzen und Selbstständigkeit und Selbstorganisation trainieren. Ich gebe dir Tipps, wie ihr eure Kinder dabei unterstützen und anleiten könnt! 🤗

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Autonomie und Selbstorganisation – wie DU die Krise nutzen kannst! 

Das chinesische Wort für „Krise“ heißt „weiji“. Das Schriftzeichen dazu sieht so aus: 危机. Dieses Schriftzeichen setzt sich wiederum aus zwei Zeichen zusammen: „wei“ steht für „Gefahr“, „ji“ für „Chance“. Schau dir die Zeichen einmal genauer an! Vielleicht erkennst du die Bilder, die ihnen zugrunde liegen: Das erste Zeichen 危 zeigt einen Menschen, der ängstlich an einer Klippe steht. Darunter sieht man einen ehrfürchtig Knieenden. Das zweite Zeichen 机 bedeutet für sich alleine „Webstuhl“. Es zeigt daher links einen Baum, der für „Holz“ steht. Rechts sind Fäden gespannt.

In Japan und China stand der Webstuhl  früher in einem engen Zusammenhang mit der Position und Bewegung der Planeten – man war der Meinung, dass die Sterne durch Fäden miteinander verbunden sind und das Schicksal der Menschen beeinflussen. Das spielte vor allem für die Seefahrt eine wichtige Rolle. Denn früher war man auf dem Meer von der Stellung der Planeten abhängig, um sich orientieren zu können. Das Zeichen bedeutet deshalb im asiatischen Raum auch „richtiger Augenblick“ oder „günstige Gelegenheit“. Das Wort „weiji“ kann man dementsprechend so interpretieren, dass jede Herausforderung auch eine Chance bietet.

Vielleicht hast du dich selbst auch schon dabei ertappt: In Krisensituationen beginnen wir, alte Gewohnheiten und Verhaltensmuster zu hinterfragen. Wir bemerken, dass uns bestimmte Gewohnheiten nicht mehr förderlich sind. Deshalb ersetzen wir sie durch neue, bessere Gewohnheiten. Eine Krise schafft Lerngelegenheiten! Zum Beispiel teilen sich viele Menschen ihre Zeit jetzt ganz anders ein – durch das Homeoffice wird man gezwungen, das eigene Zeitmanagement zu überdenken und neu zu organisieren. ⏲️

Auch wenn es dir manchmal so vorkommt: Eine Krise hat nicht nur negative Seiten! Sie bietet immer auch die Möglichkeit für persönliches Wachstum und treibt Veränderungen voran. Diese Veränderungen würden wir unter normalen Umständen vielleicht nicht in Angriff nehmen. Außergewöhnliche Situationen bringen uns dazu, schon längst fällige Vorhaben tatsächlich umzusetzen. 💪

 

🔥 Was bedeutet das nun im Speziellen für Schüler?

Unsere Tutor Maik R. erzählt über seinen Nachhilfeunterricht:

„Die Schüler sind zum Teil mit den Aufgaben, die eigenständig erledigt werden sollen (und womit sie von den Schulen kaum unterstützt werden), stark überfordert. Viele sind mit der größeren Selbstständigkeit überlastet, sodass durcheinander gelernt wird und die Zeit fehlt. Denn die meisten stehen zu spät auf und investieren die Zeit, die sie normalerweise in der Schule verbringen würden, nicht in die Hausübungen.“

Davon berichtet auch unsere Tutorin Lena S.: „Meine Schüler haben oft sehr viele Hausübungen bekommen und mussten dementsprechend die ersten Schritte in Richtung Zeitmanagement und Selbstorganisation wagen.“ 🤓

Das Homeschooling hat den Schulunterricht von Grund auf verändert. Auf einmal müssen Schüler sich ihre Zeit selbst einteilen und eigenständig lernen. Denn die Lehrer, die sonst den Ablauf einer Unterrichtsstunde vorgeben, können diese Aufgabe momentan nicht übernehmen. Die Schüler sind also dazu gezwungen, Verantwortung für ihr eigenes Zeitmanagement und das Lernen zu Hause zu übernehmen.

Das ist eine große Herausforderung! Es ist jedoch auch eine wunderbare Möglichkeit zur Entwicklung von Eigenständigkeit und Verantwortungsbewusstsein! 🙏

 

🔥 Wie können Regeln und Disziplin im Homeschooling geschaffen werden?

In der Schule ist eine Unterrichtungsstunde exakt durchstrukturiert. Die erste Stunde beginnt gewöhnlich um 08:00 und endet um 08:50. Dann folgt eine Pause von 5 Minuten. Anschließend geht es mit der nächsten fünfzigminütigen Schulstunde weiter. Deshalb lernen die meisten Schüler in unserem Bildungssystem erst spät, sich selbst zu strukturieren – diese Arbeit wird ihnen sehr lang abgenommen. Das hat natürlich auch einen guten Grund: Kinder brauchen Disziplin und Regeln, damit sie sich in der Gesellschaft orientieren können. So lernen sie, was funktioniert und was nicht funktioniert. Was erlaubt ist und was verboten ist. Das zu wissen, ist für Kinder sehr wichtig – denn es hilft ihnen, sich selbst und ihre Grenzen einschätzen zu können. Dennoch sollen Kindern immer auch genügend Freiräume zugestanden werden. Schließlich sollen sie sich zu unabhängigen Menschen entwickeln. Für gewöhnlich lernen Schüler spätestens während des Studiums oder wenn sie einen Job gefunden haben, ihr Leben selbst zu strukturieren. ⌚

Ich rate dir: Je früher dein Kind Selbstständigkeit und Eigenverantwortung lernt, desto besser! Denn das beeinflusst nicht nur das Lernen. Auch das Selbstvertrauen, der Umgang mit herausfordernden Situation und die Belastbarkeit deines Kindes verändern sich dadurch zum Positiven. 👍

 

🔥 Wie funktioniert das mit der Selbstständigkeit?

Kleinkinder versuchen immer wieder, sich ohne fremde Hilfe auf den Beinen zu halten. Wieder und wieder fallen sie um und geben dennoch nicht auf. Sie bemühen sich aktiv, endlich stehen zu können. Kinder haben den natürlichen Drang, in möglichst vielen Bereichen selbstständig zu sein. Gerade Kleinkinder möchten oft alles selber machen, anfassen und in den Mund stecken. Später schwindet dieser Selbstständigkeitsdrang. Das hat verschiedene Gründe: Einerseits lernen Kinder, dass Fehler schlecht sind und vermieden werden müssen. Sie trauen sich dann oft nicht mehr, Neues auszuprobieren – aus Angst, einen Fehler zu machen. Andererseits führen übertriebene Einschränkungen und Vorgaben dazu, dass sie sich selbst keine Eigenständigkeit mehr zutrauen. Dabei ist Selbstständigkeit eine wichtige Voraussetzung für die Stärkung der eigenen Person. Dadurch lernen Kinder nämlich, ihren eigenen Fähigkeiten zu vertrauen – sie gewinnen also Selbstvertrauen. 👶 ➡️ 👧 ➡️ 👩

 

Achtung

Selbstständigkeit bedeutet nicht, alles selber machen zu müssen! Es bedeutet nicht, dein Kind ganz sich selbst zu überlassen! Jeder von uns hat Bereiche im Leben, in denen er auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Wahrscheinlich kannst auch du deine Waschmaschine nicht selbst reparieren, sondern holst dir dafür einen Handwerker. Genauso ist es bei Kindern: Eine Schülerin kann vielleicht in Deutsch selbstständig arbeiten. In Mathematik tut sie sich allerdings schwerer und braucht deshalb in diesem Fach mehr Unterstützung. Alleine wäre sie vielleicht damit überfordert, die Rechenaufgabe zu erledigen. Unsere GoStudent Tutoren helfen deinem Kind gerne dabei! Schwächen in bestimmten Fächern können durch Nachhilfeunterricht leicht behoben werden – denn dabei werden Defizite aufgedeckt, Unklarheiten gründlich behandelt und Probleme gelöst.

Kinder möchten eingebunden werden! Sie möchten Verantwortung übernehmen! Denn das gibt ihnen Selbstvertrauen und ein Zugehörigkeitsgefühl. Übergib deinem Kind kleine Aufgaben im Haushalt. Es bekommt dadurch das Gefühl, unverzichtbar für die Familie zu sein. Außerdem zeigt es deinem Kind, dass du ihm vertraust! 👩‍👧

Es gibt viele Möglichkeiten, Kinder zur Selbstständigkeit anzuleiten. Im Folgenden verrate ich dir meine Top Tipps!

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6 Tipps für selbstständiges und eigenverantwortliches Lernen! 🚀

Eigenständigkeit durch die eigene Meinung ausdrücken 🗣️

Stelle zunächst fest, wie dein Kind gern lernen möchte. Denn das ist eine der wichtigsten Bestandteile von Selbstständigkeit: die eigene Meinung. Frage dein Kind, wie und wann es am liebsten lernt. Möglicherweise überrascht dich die Antwort, weil ihr andere Vorstellungen davon habt. Was macht deinem Kind Spaß? Was fällt ihm leicht? Womit tut es sich schwerer? Es ist wichtig, dass du weißt, was dein Kind will! Frage also ganz explizit: „Wobei brauchst du Hilfe? Was schaffst du alleine?“ Das betrifft auch ganz banale Dinge wie den Arbeitsplatz: „Wo möchtest du gern lernen? Arbeitest du lieber im Wohnzimmer oder am Küchentisch?“ Kinder schätzen es, wenn sie selbst Entscheidungen treffen dürfen. Dadurch vermittelst du ihnen, dass ihre Meinung wichtig ist und du sie ernst nimmst.

 

Zu selbstständigem Lernen ermutigen ✍️

Du kannst dein Kind ganz leicht zu mehr Selbstständigkeit ermutigen, indem du Fragen stellst wie: „Willst du die nächsten zwei Aufgaben alleine versuchen?“ oder „Ich glaube, die nächste Rechnung schaffst du alleine, nicht wahr?“

Sollte dein Kind mit einer Aufgabe überfordert sein, greif ein. Aber lass ihm dennoch genug Freiraum. Schließlich sollst nicht du die Lösung finden! Frage also zum Beispiel: „Was hast du denn nicht verstanden?“, „Was findest du schwierig?“, „Was siehst du auf dieser Grafik?“ Mit dieser Art der Hilfestellung ermöglichst du deinem Kind, selbst Lösungen zu finden anstatt Antworten vorzugeben. Du führst deine Kind also zu der Antwort hin. Möglicherweise ärgert sich dein Kind anfangs: „Warum kannst du mir nicht gleich sagen, wie es richtig geht?“ Längerfristig wird es jedoch davon profitieren. Du wirst schon bald bemerken, dass dein Kind beim Lernen mehr Ausdauer zeigt und sich auf seine eigene Einschätzung verlässt. Lernen bedeutet nämlich nicht, alles sofort zu verstehen. Ganz im Gegenteil: Um etwas verstehen zu können, muss man es zuerst überdenken und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Also: dranbleiben und Geduld beweisen. Lernen braucht Zeit. Auch das muss dein Kind lernen!

 

Lass dich überraschen 😮

Hab Vertrauen in dein Kind! Kinder sind eigenständige Personen, denen ein gewisses Ausmaß an Autonomie zugetraut werden kann. Kinder bemühen sich um Eigenständigkeit, wenn sie bemerken, dass ihren Eltern das wichtig ist. Schlage zum Beispiel vor: „Probier das zuerst einmal alleine. Wenn du etwas nicht verstehst, helfe ich dir!“

Unsere Tutorin Toni L. erzählt: „Mir ist auch aufgefallen, dass viele Schüler durch das Homeschooling viel intensiver lernen und durch die individuelle Zeiteinteilung auch mehr Spaß am Lernen entwickeln.“

Eigenständiges Lernen wirkt also motivierend. Herausforderungen und schulische Erfolge spornen Schüler an und ermutigen sie. Kinder sind naturgemäß wissbegierig. Sie wollen Neues kennenlernen. Zu viele Vorgaben führen dabei nur dazu, dass ihr Selbstständigkeitsdrang verkümmert. Wenn Schüler nicht gefordert werden, kann es sogar passieren, dass sie sich in der Schule langweilen.

Lass dein Kind also ruhig erst einmal machen, ohne einzugreifen! Das kannst du später immer noch tun. Lass dich von der Selbstständigkeit deines Kindes überraschen! Wer weiß, womöglich funktioniert es viel besser, als du erwartet hattest!

 

Aus Fehlern lernt man! ✔️

Bestimmt kennst du diesen Spruch: Aus Fehlern lernt man. Tatsächlich lernt man erst dann aus Fehlern, wenn man diese Fehler einräumt und benennt. Denn oftmals werden sie ignoriert oder verschwiegen. Schlimmstenfalls werden Kinder sogar dafür bestraft. Das führt jedoch nur dazu, dass sie Angst vor Fehlern bekommen. Und das hält sie wiederum davon ab, einen neuen Versuch zu wagen.

 

🔥 Mein Rat an euch 🔥

Sollte dein Kind eine schlechte Note auf eine Hausübung oder einen Test bekommen, sprich offen und ehrlich mit ihm darüber.

Stell die Frage: „Warum hat das diesmal nicht so gut funktioniert?“ oder „Was glaubst du, ist der Grund für die schlechte Note?“ Ärger und Zurechtweisung bringen weder dich noch dein Kind weiter, sondern entmutigen es womöglich sogar. Sei auch ehrlich zu dir selbst: Fehler zu machen, ist menschlich. Und eine schlechte Note ist kein Weltuntergang! Besprich mit deinem Kind, wie ihr weiter vorgeht. Legt zum Beispiel fest, mehr Lernzeit in ein bestimmtes Fach zu investieren. Entwerft dafür gemeinsam einen Lernplan! Oder ihr vereinbart eine Nachhilfestunde mit einem unserer Tutoren!

 
 
Sicherheit als Voraussetzung für Selbstständigkeit 👨‍👩‍👧

Eigenständigkeit entwickelt sich in Beziehungen. Je sicherer sich ein Kind in der Beziehung zu den Eltern fühlt, desto besser kann es autonom handeln. Gib deinem Kind das Gefühl, dass du da bist, wenn es dich braucht! Hör ihm zu, wenn es über seine Probleme sprechen will! Steh ihm bei, wenn es sich unsicher fühlt! Das schafft Vertrauen. Und dieses Vertrauen sorgt wiederum dafür, dass dein Kind gegenüber Neuem offen ist. Denn so weiß es, dass du immer hinter ihm stehst – egal, was passiert.

Kleineren Kindern hilft es, wenn man gemeinsam arbeitet. Setzt euch also an einen Tisch. Du beantwortest Mails oder schreibst Rechnungen, während dein Kind die Hausaufgaben erledigt. Diese Nähe schafft Sicherheit. Deinem Kind wird es dadurch besser gelingen, eigenständig zu arbeiten.


Kinder brauchen Lob und Anerkennung 👍

Lob macht Kinder selbstbewusster, fleißiger und glücklicher. Und es motiviert sie! Versuche also, speziell die Selbstständigkeit deines Kindes zu loben: „Wow, du bist alleine ja schon richtig weit gekommen!“ oder „Du hast ja fast alles selbst geschafft!“ Diese Art der Wertschätzung ist wichtiger als ein richtiges Resultat. Damit betonst du nämlich, dass du die eigenständige Arbeit deines Kindes anerkennst. So wird dein Kind Unsicherheiten ablegen und sich nach und nach immer mehr zutrauen. Konzentriere dich auf das, was gut funktioniert: „Beistriche setzen kannst du wirklich gut!“ oder „Addieren ist deine Stärke“. 🏆

🔥 Mein Tipp: Achte auf deine Worte! Kinder sind sehr aufmerksam und beobachten das Verhalten der Erwachsenen ganz genau. Es lohnt sich, wenn du deine Worte mit Bedacht wählst! 💬

Du wirst schon bald positive Veränderungen an deinem Kind bemerken, wenn du meine Tipps befolgst. Denn im Grunde wollt ihr dasselbe: Dein Kind will dich stolz machen. Und du willst, dass dein Kind auf seine eigenen Erfolge stolz ist. 🙏

 
Über Elisabeth
elisabeth 

Elisabeth ist GoStudent Lernexpertin rund um Lesen, Schreiben, Sprache und spielerisches Lernen. Sie bringt langjährige Erfahrung in Buchgestaltung, dem Lehren von Germanistik und Lektorat mit. Ihre Tipps umfassen unter anderem Sprachenlernen, das Verfassen von Texten und die Verbesserung der Lesekompetenz bei Schülern. Ihr ist es ein großes Anliegen, dass das Lernen Spaß macht. Deshalb hält sie viele Tipps zum spielerischen Lernen für euch bereit! 💪

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