Tags: Erziehung

Mitten im Abendessen mit drei Kindern stellt plötzlich der Achtjährige die Frage aller Fragen: "Mama, was machen Erwachsene eigentlich beim Sex?" Sein Freund habe ihm erklärt, dass der Mann seinen Penis in die Scheide der Frau steckt. Der weiß es von seinem Bruder. "Aber stimmt das wirklich?"
Manche Eltern erstarren bei dem Gedanken, dass Kinder über Sex reden wollen. Obwohl es noch zu früh ist – für Mama und Papa.
Spätestens in der vierten Klasse Volksschule steht das Thema auf dem Stundenplan. Lehrer oder externe Referenten erklären den Kindern die (Beziehungs-)Welt.

 


Der Aufklärungsworkshop in der Schule brachte für den Sohn von einer Mutter, die davon erzählt, keine Überrraschung: "Die einzige Neuigkeit für ihn war die Unwissenheit und Gschamigkeit vieler anderer Kinder." Sie erzählt von Eltern, die erschüttert waren, dass die Schule ihnen die Aufklärung abnehmen will: "Da habe ich ihnen geraten, ihre Kinder eben zeitgerecht davor nach ihren eigenen Vorstellungen aufzuklären.“

Aber wie redet man mit seinem Kind, ohne dass es für alle peinlich ist?

Machen Sie sich zuerst Gedanken über Ihren eigenen Umgang mit Sex.

Jede Familien hat einen anderen Umgang: Wieviel Nacktheit gibt es bei uns Zuhause? Wie nennen wir die Geschlechtsteile? In Familien hält sich oft ein Wort aus der Kindheit und das Thema ist allen peinlich. In den sozialen Medien wurde jetzt das Wort "Schamlippen" hinterfragt – warum soll man sich für die Vagina schämen? Unter dem Hashtag #vulvalippen posteten Frauen ihren Namen für ihr Geschlechtsteil. Je offener die Eltern sprechen können, desto entspannter ist es bei ihren Kindern.

Für den Nachwuchs kann auch die Erotik der Eltern ein Thema sein – möglicherweise ein peinliches: "Müsst ihr euch unbedingt küssen, wenn ich dabei bin?" oder "Macht ihr es eigentlich noch immer?"

Lassen Sie sich inspirieren

Ratgeber-Bücher wie "Make Love" oder "Sex", der Ratgeber der beliebten spanischen Modebloggerin Chusita, sollen nicht nur den Jugendlichen helfen. Sie geben auch den Eltern eine Richtung, wie sie an die Fragen herangehen. Damit kann man sich auch gemeinsam an das Thema herantasten. Die Eltern brauchen Hilfe, um mit ihren Kindern über Sex zu reden. Ihnen ist das selbst oft unangenehm. Aber wenn die Kinder von den Erwachsenen keine guten Antworten bekommen, holen sie sich Informationen im Internet. Und nichts will man weniger, als dass ein Kind in Google nach Aufklärung sucht.

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Eltern müssen mit ihren Kindern in den ersten zehn Lebensjahren über Sexualität und den Körper sprechen. Wenn Eltern glauben, jetzt steht das große Aufklärungsgespräch an, dann ist es ohnehin schon zu spät. Laut einer britischen Umfrage kam ein Viertel der Kinder schon mit elf oder zwölf Jahren mit Online-Pornos in Verbindung – durch Zufall oder absichtlich.

Erklären Sie nur das, wonach gefragt wird.

Im Idealfall kommt das Kind zu seinen Eltern, wenn es eine Frage hat. Doch die reagieren oft nicht richtig. Dann wird über Stellvertreter-Themen geredet. Über Verhütung statt über Sex, über Krankheiten statt über Beziehung. Aber niemand hat Sex wegen der Verhütung.

Man solle die Fragen der Kinder klar beantworten statt lange Vorträge zu halten, denn das Thema ist gerade bei Jüngeren schnell wieder erledigt. Wer nur wissen will, ob Mädchen irgendwann einen "Schniedelwutz“ bekommen, braucht keine Ausführungen über die weibliche Anatomie. Und wer nur wissen will, was das böse Schimpfwort mit "f" und "ck" bedeutet, verlangt keine Einführung in das Thema Liebe, Sex und Zärtlichkeit. Wenn Eltern über Sachen erzählen, die man noch gar nicht hören will, wird es unangenehm.

 

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Was, wenn Kinder mit sexuellen Schimpfwörtern provozieren wollen?

Ein unangenehmer Anruf von der Lehrerin: "Ihr Kind sagt zu den anderen ’F… dich!’" Erstens: Peinlich, weil man das Kind nicht zu guten Umgangsformen erzogen hat. Zweitens: Peinlich, wie geht man jetzt damit um? Einfach den Mund verbieten, wäre falsch. Oft geht das Schimpfen mit Unwissen und der Lust am Provozieren einher: Das F-Wort kennt jeder Drittklässler, aber ein Wort für Penis und erst recht für Vagina fehlt. Richtig wäre, die Wörter zu enttabuisieren: "Weißt du eigentlich, was das bedeutet? Eigentlich ist das ja kein Schimpfwort, also brauchst du es auch nicht so verwenden.“

Welche Sexpraktiken kennt mein Kind?

Da heißt es, Nerven bewahren. Die sexuellen Vorlieben werden immer facettenreicher, zeigen Studien. Eine wichtige Frage: „Was, glaubst du, muss man beim Sex machen?" Für die Jugendlichen ist es meistens eine Entlastung, wenn man ihnen erklärt, warum Pornofilme keine Dokumentationen sind, sondern Actionfilme. Alles wird übertrieben. Das ist kein richtiger Sex.

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