ERZIEHUNG

Erziehungsstile: Welches Erziehungsmodell ist für dein Kind richtig?

Kapitel

  1. Dein Weg durch den Dschungel von Erziehungsstilen
  2. Verschiedene Erziehungsstile im Überblick
  3. Unsere Empfehlung: Finde deinen eigenen Erziehungsstil! 

In diesem Beitrag erfährst du, welche Erziehungsstile es gibt, was deren Vor- und Nachteile sind und wie du deinen eigenen finden kannst. 

Denn Fakt ist: Es gibt viele verschiedene Erziehungsstile und die meisten Eltern sind bei der Recherche überfordert & fragen sich: Welcher Stil ist für mich und mein Kind der Passende?

Keine Sorge: Als Elternteil kannst du dich an den unterschiedlichen Erziehungsstilen orientieren, um mit der Zeit deinen eigenen zu finden. Du wirst schon bald herausfinden, wie du deinem Kind am besten die Dinge vermittelst, die dir wichtig sind & gleichzeitig auch auf seine Bedürfnisse eingehen kannst. 

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1. Dein Weg durch den Dschungel von Erziehungsstilen

 

Beim Thema Erziehung scheiden sich die Geister. Es gibt unendlich viele verschiedene Wege, dein Kind großzuziehen. Jeder hat seine eigene Meinung, wie er zum Beispiel auf schlechtes Benehmen bei seinem Kind reagiert oder wie wichtig ihm das Einhalten von Tischmanieren ist. 🍽️ 

Als Elternteil beeinflusst du mit deinen Erziehungsmethoden maßgeblich, wie dein Kind sich später verhält und welche Werte ihm im Leben wichtig sind. Eine ganz schön große Verantwortung… 😅 

Wie du vielleicht weißt: Dein Kind saugt - gerade in jüngeren Jahren - seine komplette Umgebung auf wie ein Schwamm. 🧽  Das soziale Umfeld, wie zum Beispiel sein Freundeskreis und die Umgebung in der Schule spielen also auch eine große Rolle in der Entwicklung, nicht nur die Eltern

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Aber trotzdem spielst du selbst eine große Rolle in der Erziehung deines Kindes und kannst so einiges beeinflussen. 

Was ist nun die richtige Erziehung für dein Kind? Oder gibt es die überhaupt? 

Bevor wir diese Frage beantworten können, schauen wir uns die verschiedenen Erziehungsstile genauer an. 

2. Verschiedene Erziehungsstile im Überblick 👀 

 

Ende der 1930er Jahre hat der österreichische Psychologe Kurt Lewin die Grundlage für die ersten Erziehungsstile definiert. Kurt Lewin hat sich im Allgemeinen mit Führungsstilen beschäftigt und welche Einflüsse diese auf Jugendliche haben. 

Seine Stile teilte er ein in:

  • demokratisch
  • laissez-faire und 
  • autoritär. 


Die drei ursprünglichen Erziehungsstile von Lewin wurden mit der Zeit um weitere Stile und ihre Auswirkungen auf Verhaltensweisen und Entwicklung der Kinder ergänzt. 🧒 

Die deutschen Psychologen Anne-Marie Tausch und Reinhard Tausch beschäftigten sich zum Beispiel im Gegensatz zu Lewin mehr damit, wie sich die verschiedenen Erziehungsstile auf das Verhalten und die Kinder auswirkt. Tausch und Tausch entwickelten erstmals die Theorie, dass Verhaltensweisen im Zusammenhang miteinander stehen. 🤝 

👪 Die amerikanische Entwicklungspsychologin Diana Baumrind hat den autoritären Erziehungsstil aufgegriffen und zusätzlich den autoritativen und permissiven Erziehungsstil definiert.

Je nach wissenschaftlicher Perspektive gibt es unterschiedlich viele Erziehungsstile und teilweise unterscheiden sich die Namen. 

Diese neun Erziehungsstile sind allerdings die am häufigsten verwendeten und wir haben sie uns für dich mal genauer angeschaut:

 

1. Autokratischer Erziehungsstil 


Beim autokratischen Erziehungsstil bestimmen Eltern völlig über ihre Kinder. 

Sie wissen am besten, was für ihr Kind gut ist und setzen strenge Regeln. Wenn diese nicht eingehalten werden, wird das Kind bestraft.

Die Meinung der Kinder zählt beim autokratischen Erziehungsstil in der Regel gar nicht. 

Offensichtlich kommt bei diesem Erziehungsstil die Persönlichkeit des Kindes zu kurz. Das Kind wird unterdrückt und lernt nicht, seinen eigenen Selbstwert zu sehen und sich kreativ zu entfalten. Auch lernt es nicht eine eigene Meinung zu formulieren oder selbstverantwortlich zu handeln. 

2. Autoritärer Erziehungsstil

Auch beim autoritären Erziehungsstil gibt es strenge Regeln und Vorschriften. Im Gegensatz zum autokratischen Erziehungsstil gibt es neben den Regeln allerdings auch Lob für Dinge, die das Kind gut macht. 

Generell ist das Verhältnis zwischen Eltern und Kind sehr distanziert und wenig geborgen. Was sich das Kind wünscht, spielt meist keine große Rolle. Die Eltern treffen alle Entscheidungen und bestimmen über den Kopf ihres Kindes hinweg. 

Das kann dazu führen, dass das Kind Probleme hat, eigene Entscheidungen zu treffen und Kreativität auszuleben. Persönlichkeit und Selbstwertgefühl können unter diesem Erziehungsstil leiden. 

Übrigens: Bis in die 60er Jahre war der autoritäre Erziehungsstil der wohl am meisten verbreitete - mittlerweile ist er aber ziemlich veraltet.

3. Antiautoritärer Erziehungsstil

Als Gegensatz zur autoritären Erziehung entwickelte sich in den 1960er Jahren der antiautoritäre Erziehungsstil. 

Kinder sollen sich bei diesem Stil frei entfalten können. Ihre Wünsche und Bedürfnisse werden beim antiautoritären Erziehungsstil respektiert. 

Es gibt keine festen Regeln oder Strukturen und auch keine Bestrafungen.

Dieser Stil will, dass Kinder Verantwortung, Selbstvertrauen und Kreativität selbstständig ohne starke Einflüsse von Außen lernen.  

Unsere Meinung: Ganz ohne Regeln und Strukturen funktioniert es nicht. Dieser Schuss kann nach hinten losgehen und bockige & egoistische Kinder hervorbringen, die nichts auf gesellschaftliche Regeln geben und Grenzen anderer Menschen nicht beachten. 

Unsere Empfehlung: Kinder brauchen liebevolle Eltern, die ihnen zwar unbedingt gewisse Freiheiten lassen, aber gleichzeitig auch gesunde Grenzen & Strukturen vorgeben sollten. 

4. Laissez-fairer Erziehungsstil


Der Begriff “Laissez-faire” kommt aus dem Französischen und lässt sich als “machen lassen” übersetzen. Und darum geht es bei diesem Erziehungsstil auch: die Kinder können im Grunde genommen tun und lassen, was sie wollen. 

Die Eltern sind dabei passiv oder neutral und sehr tolerant. Sie haben keine Erwartungen, aber geben auch wenig Wertschätzung oder Unterstützung.

Es kann so wirken, als wäre den Eltern alles egal, was ihr Kind tut. Dadurch kommt die Orientierung, die Kinder von ihren Eltern brauchen, zu kurz. Das Kind ist sich quasi völlig selbst überlassen. 

Nicht selten führt das dazu, dass sich das Kind allein gelassen und vernachlässigt fühlt.

5. Permissiver Erziehungsstil

Der permissive Erziehungsstil ist eine Form der antiautoritären Erziehung und ähnelt dem laissez-fairen Erziehungsstil. Im Gegensatz zum laissez-fairen Erziehungsstil gibt es beim permissiven Erziehungsstil aber Regeln.

Schlechtes Verhalten wird aber auch hier toleriert und nicht bestraft. Wenn das Kind etwas nicht tun will, dann muss es das auch nicht. 

Die Eltern halten sich auch beim permissiven Erziehungsstil eher zurück und sind passiv. Wenn das Kind Hilfe braucht, muss Eigeninitiative ergreifen, die Hilfe selbst einfordern, also seine Wünsche und Bedürfnisse selbst äußern.

Die Eltern können auf Außenstehende teils desinteressiert wirken, weil das Kind von selbst aus nachfragen muss, wenn es etwas möchte. 

6. Negierender (vernachlässigender) Erziehungsstil

Der negierende Erziehungsstil ist eine noch weiter gesteigerte Form der verschiedenen antiautoritären Erziehungsansätze. Hier ist das Kind vollkommen auf sich allein gestellt und bekommt überhaupt keine Regeln vorgegeben.

Vor Allem die emotionale Verbindung mit den Eltern fehlt beim negierenden Erziehungsstil vollständig. Sie haben keinerlei Interesse an der Entwicklung des Kindes und überlassen die Erziehung quasi dem sozialen Umfeld. 

Dieser Erziehungsstil ist definitiv nicht der richtige Weg! Kinder können seelisch und auch körperlich verwahrlosen, wenn sie komplett auf sich gestellt sind. 

Sie lernen nicht, wie Halt und gesunde emotionale BIndungen aussehen. Das kann später zu großen Problemen im Umgang mit anderen und beim Aufbauen von Beziehungen führen. 

7. Demokratischer Erziehungsstil

Beim demokratischen Erziehungsstil werden Entscheidungen gemeinsam von Eltern und Kindern getroffen. Das sorgt dafür, dass die Kinder lernen, eigenständig zu denken und reflektiert zu handeln.

Respekt und Wertschätzung sind wichtige Aspekte beim demokratischen Erziehungsstil. Eltern und Kinder sehen sich gegenseitig auf Augenhöhe und zeigen sich das auch.

Kommunikation steht beim demokratischen Erziehungsstil an erster Stelle. Mit Emotionen und Fehlern wird offen umgegangen und es werden häufig offene Gespräche geführt

Regeln können von dem Kind hinterfragt werden und alternative Lösungen diskutiert werden. Aufgepasst: Das kann aber auch schnell umschlagen und dazu führen, dass das Kind plötzlich alles ausdiskutieren will!

8. Egalitärer Erziehungsstil

Der egalitäre Erziehungsstil ist eine gesteigerte Form des demokratischen Erziehungsstils und bedeutet, dass Eltern und Kinder eins zu eins die völlig gleichen Rechte und gleichen Pflichten haben. 

Eltern stellen keine Regeln auf und “befehlen” dem Kind auch nichts . Alle Entscheidungen werden gemeinsam getroffen - und gegebenenfalls auch ausdiskutiert. Deshalb ist für den egalitären Erziehungsstil viel Geduld notwendig!

Es wird jede Menge Wert darauf gelegt, dass das Kind Eigeninitiative und Selbstständigkeit entwickelt.

Ein Nachteil: Das Konzept von Autoritätspersonen ist Kindern, die im egalitären Erziehungsstil erzogen wurden, meist fremd. Dem Kind kann es deshalb später schwerer fallen, sich unterzuordnen und zum Beispiel im Beruf Anweisungen des Chefs zu folgen. 

9. Autoritativer Erziehungsstil 

Der autoritative Erziehungsstil kann auch als Kombination aus dem demokratischen und permissivem Erziehungsstil bezeichnet werden. Hier herrscht ein Gleichgewicht zwischen Regeln und Freiheiten. 

Fehlverhalten wird zwar bestraft, das Kind weiß aber vorher genau, mit welchen Konsequenzen es rechnen muss - und die sind verhältnismäßig zu dem Fehlverhalten.

Eltern haben gewisse Erwartungen an das Kind, aber unterstützen es zu gleichen Teilen. Sie tragen die Verantwortung und treffen Entscheidungen. 

Dabei werden aber immer auch die Wünsche und Bedürfnisse des Kindes ernst genommen und berücksichtigt.

im Grunde genommen kombiniert der autoritative Erziehungsstil eine gewisse elterliche Strenge mit emotionaler Wärme.

Dieser Erziehungsstil ist heute am häufigsten verbreitet und viele Eltern orientieren sich daran. 

 

Unsere Empfehlung: Finde deinen eigenen Erziehungsstil! 🦄 

 

Jetzt kennst du die geläufigsten Erziehungsstile. Dies heißt aber natürlich nicht, dass du dir einen davon aussuchen und strikt genauso befolgen solltest! ☝️ 

Erziehung findet nicht nur theoretisch statt. Es hängt immer auch von der Situation und Umgebung ab, in der sich Eltern und Kind befinden. 

Auch die individuellen Bedürfnisse deines Kindes spielen eine große Rolle. Jedes Kind ist anders und braucht vielleicht etwas mehr Orientierung und Regeln - oder eben Freiheiten. 🎈 

Auch über die Jahre verändern sich die Ansprüche: was bei deinem Kind in der Grundschule funktioniert, muss nicht automatisch auch gut sein, wenn es/sie ein Teenager ist. 

Deshalb gibt es nicht “den einen richtigen Erziehungsstil”. Finde stattdessen deinen eigenen individuellen Erziehungsstil, der genau auf dich und dein Kind zugeschnitten ist.  🤝

 

Wir haben 5 Tipps für dich, die du dabei jederzeit beachten solltest:

 

  • Behandle dein Kind fair! 💌 

Behandle dein Kind mit Fairness. Erkläre ihm, warum du bestimmte Entscheidungen triffst. Erkläre ihm, warum es bestimmte Regeln gibt. Erkläre ihm, dass es auch Regeln für Erwachsene gibt. Bestrafe dein Kind nicht unfair und unverhältnismäßig, nur weil du einen schlechten Tag hast. Mach deinem Kind klar, dass einige Regeln und Strukturen dafür da sind, dass es ihm gut geht.   

  • Trenne das Verhalten deines Kindes von seiner Persönlichkeit! 👐

Jeder macht mal Fehler - das ist völlig normal. Wenn du mit deinem Kind über einen Fehler oder falsches Verhalten redest, pass aber auf, wie du das formulierst.

Anstatt dein Kind als “böses Kind” oder “tollpatschig” zu bezeichnen, bezieh dich auf das Verhalten. Denn solche Stempel können deinem Kind noch lange nachhängen. Im schlimmsten Fall steht es deinem Kind beim Aufbauen eines gesunden Selbstvertrauens im Weg. 

  • Finde die richtige Balance zwischen Lob und Kritik! ⚖️ 

Lob ist wichtig für das Selbstvertrauen deines Kindes - zu viel davon kann aber zu Selbstüberschätzung führen. 

Und auch bei Kritik ist das richtige Maß wichtig: es ist wichtig, dass dein Kind lernt, wenn es etwas falsch gemacht hat. Pass aber auf, dass du es nicht entmutigst. Akzeptiere dein Kind mit all seinen Stärken und Schwäche.

  • Ermutige dein Kind! 💪 

Zeig deinem Kind, dass du an es glaubst und es das auch tun sollte. Sprich ihm positiv zu und lass es regelmäßig eigene Entscheidungen treffen.

So stärkst du nicht nur das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl, sondern auch seine Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen und Eigeninitiative zu ergreifen.

  • Sei ein Vorbild! 🔥 

Leb deinem Kind vor, was du auch von ihm und von anderen erwartest. Der Familientherapeut Jesper Juul hat festgestellt, dass 90 Prozent der Erziehung durch intuitives Orientieren am Verhalten der Eltern geschieht.

Das heißt: Worte sind schön und gut, aber dein Kind lernt das meiste über Beobachtung. Was bringt es dir also deinem Kind ganz viele Predigten zu halten, wenn du dich selber anders verhältst. 

Damit bist du am Ende des Beitrags angekommen, herzlichen Glückwunsch!
Jetzt hast du einen guten Überblick über die verschiedenen Stile und dessen Vor- und Nachteile. 


Unsere Empfehlung an dich:

Setze dich selbst nicht zu sehr unter Druck, sondern versuche jeden Tag so gut du es kannst, deinen eigenen richtigen Erziehungsstil für dein Kind zu verfolgen, der für dich und dein Kind stimmig ist! 🚀 gs_tutor_wheel04

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