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Intergeneration | GoStudent

Geschrieben von Verena Schoerghuber | 06.02.2022 03:00:00

 

Kapitel:

  1. Was ist intergenerationelles Lernen? 
  2. Der geschichtliche Ursprung des intergenerationellen Lernens
  3. Wie geht intergenerationelles Lernen? 
  4. Warum braucht es generationsübergreifendes Lernen?
  5. 5 Ideen für generationsübergreifenden Austausch
  6. Fazit: Generationsübergreifender Kontakt ist überaus wertvoll!


Ob Stricken oder Backen, Informationen über frühere Zeiten oder sparsamer Umgang mit Geld - vieles können wir von vorigen Generationen lernen! 🧶🍞

Das Zusammentreffen von unterschiedlichen Generationen ist enorm wichtig für dein Kind. Es sorgt nicht nur für Verständnis und Empathie anderer Lebenswelten und Lebensformen, sondern auch für Wissen über frühere Zeiten. 🧠

Erfahre in diesem Beitrag, welche Vorteile intergenerationelles Lernen bringt und wie du es (ob mit oder ohne Großeltern) am besten umsetzen kannst. 👵🧒

Was ist intergenerationelles Lernen? 

 

Intergenerationelles Lernen bedeutet das Lernen zwischen den Generationen. Im Volksmund wird unter Generation die pauschale Zuordnung nach dem Alter verstanden. Um zu verstehen, wie intergenerationelles Lernen funktioniert, ist diese Definition allerdings nicht spezifisch genug. 🔥

Schauen wir uns den Begriff “Generation” also genauer an. Die Sozialwissenschaften unterscheiden zwischen drei Begriffen der Generation: 

1. Der genealogische Generationenbegriff: Eine Zuschreibung innerhalb von Familien basierend auf dem Verwandtschaftsgrad. Zum Beispiel Kind - Eltern - Großeltern usw. 👪

 

2. Der historisch-politische Generationenbegriff: Personen aus den gleichen oder eng aufeinanderfolgenden Geburtsjahrgängen. Sie erleben ähnliche Erfahrungen, Ereignisse und gesellschaftliche Entwicklungen, woraus sich auch vergleichbare Einstellungen und Werte entwickeln. Zum Beispiel die Nachkriegsgeneration. 📜

 

3. Der pädagogische Generationenbegriff: Die Generationen sind als Lernverbindungen zu betrachten, in denen jede Generation entweder die Rolle des Lehrenden oder des Lernenden einnimmt, abhängig von Wissen und Erfahrung. 📗

 

Der historisch-politische Generationenbegriff wird dabei oft als Basis für intergenerationelles Lernen angesehen. Der Fokus liegt auf den spezifischen Eigenschaften, Erfahrungen und Werten der einzelnen Generationen. 

 

Der geschichtliche Ursprung des intergenerationellen Lernens 

 

Bis ins 20. Jahrhundert gab es intergenerationelles Lernen vorwiegend nur in einer Richtung, nämlich von Alt nach Jung. Die ältere Generation gab angeeignetes Wissen und Erfahrungen an die jüngere weiter. So wurde Wissen in Schulen, Betrieben und Familien traditionell weitergegeben. 🪚

Durch unzählige gesellschaftliche Modernisierungsprozesse, allen voran die Technologisierung, hat sich die Art des intergenerationellen Lernens grundlegend verändert. Wissen ist ausdifferenzierter geworden und hat eine kürzere Halbwertszeit, das bedeutet die Geschwindigkeit des stetigen Anwachsens von neuem Wissen in modernen Gesellschaften wird immer höher. Auch das Phänomen des lebenslangen Lernens wurde dadurch geprägt. 💻

Wissenstransfer passiert nun in beide Richtungen: sowohl von Alt nach Jung als auch von Jung nach Alt. Mit- und voneinander zu lernen wird immer wichtiger, um den komplexen gesellschaftlichen Hürden gerecht zu werden. ⏪⏩

 

Wie geht intergenerationelles Lernen? 

 

Prinzipiell gibt es drei Möglichkeiten des intergenerationellen Lernens: 

1. Voneinander Lernen

Die eine Generation stellt den Lehrenden oder Experten dar, während die andere der Lernende ist. Der Generationsunterschied hat indirekten Einfluss auf den Prozess, ist aber nicht zentral für die inhaltliche oder didaktische Planung. 👩‍🏫

Beispielsweise gehen Senioren gemeinsam mit Kindern in den Wald 🌳 und teilen ihr Wissen über die Pflanzen- und Insektenwelt. Sie klären die Kinder über Bezeichnungen auf und zeigen ihnen die Natur. Es kann aber auch umgekehrt der Fall sein: Kinder können Senioren etwa die Neuen Medien 🌐 näher bringen. Sie sind Experten, was die neueste Technologie betrifft und zeigen ihnen die Basics.

2. Miteinander Lernen

Personen unterschiedlicher Generationen lernen zusammen. Es gibt also eine altersheterogene (gemischte) Lerngruppe, die sich mit einem Thema beschäftigt. Dabei stellen die verschiedenen Generationen die Rahmenbedingungen, aber nicht den Kern des Lernprozesses. Keine der Generationen ist Expertengruppe, da das Wissen für alle neu ist und zusammen erarbeitet wird. 🧑‍🤝‍🧑

3. Übereinander Lernen

Verschiedene Generationen tauschen Erfahrungen, Wissen und Anschauungen aus. Die Generation ist dabei Lerngegenstand. Die Auseinandersetzung mit einem Thema fokussiert sich auf verschiedene Perspektiven. Das Lernziel ist dabei das Verstehen der eigenen und der anderen Generation. Beispielsweise gab/gibt es die Zeitzeugen des zweiten Weltkriegs, die Schülern von ihren Erfahrungen berichten und so das Thema persönlich zugänglicher machen. ☝️

 

Warum braucht es generationsübergreifendes Lernen?

 

Generationsübergreifendes Lernen reduziert Isolation sowohl von jungen als auch von älteren Menschen. Früher gab es intergenerationelles Lernen auf natürliche Weise aufgrund der Großfamilienhaushalte, die heutzutage nicht mehr so häufig anzutreffen sind. 😀

Generationsübergreifendes Lernen reduziert Stereotypen und Vorurteile durch ein intensives gegenseitiges Kennenlernen anderer Generationen, ähnlich wie sich rassistische Denkweisen durch interkulturellen Kontakt aufbrechen. Außerdem wird Innovation durch den Kontakt mit anderen Generationen gefördert und neue Problemlösungsmuster werden gemeinsam erarbeitet. ❤️

Um voneinander zu lernen ist Kommunikation das Allerwichtigste! Durch das Kennenlernen entwickelt dein Kind Verständnis und in weiterer Folge Akzeptanz für ältere Menschen. Voraussetzung dafür ist es, für formelle und informelle Begegnungen zwischen verschiedenen Generationen zu sorgen. 🗣️

Dein Kind wird dadurch solidarischer und hat die Chance Zusammenhalt zu erfahren. Auch die Produktivität kann durch altersdiverse Teams erhöht werden. 👵🧒

 

5 Ideen für generationsübergreifenden Austausch

 

1. Lerne ein Handwerk! 

Ob Stricken, Nähen, Backen, Tischlern oder Töpfern. Tätigkeiten mit der Hand waren früher notwendig zum Leben, da es viele Dienstleistungen noch nicht gab oder aber sie waren schlichtweg zu teuer. Beim Ausführen dieser Tätigkeiten gelangt dein Kind in einen Achtsamkeitsmodus, denn der Fokus liegt voll und ganz bei den einzelnen Arbeitsschritten. Keine schlechte Übung in Zeiten des ständigen online Modus. ✋

2. Führe ein Interview! 

Wie wäre es, wenn dein Kind (vorausgesetzt es hat bereits eine Kontaktperson aus einer älteren Generation gefunden) ein Interview zu einem bestimmten Thema, das es interessiert, führt? 🎤❓

Ein mögliches Thema ist etwa die Verfügbarkeit von Lebensmitteln. Heutzutage können wir Essen so gut wie immer und überall kaufen. Vor 100 Jahren war dies nicht der Fall. Ein anderes immer wieder interessantes Thema ist selbstverständlich der Weltkrieg, vor allem aus erster Hand erzählt. 

Es kann aber auch ein simples Thema wie etwa das Vereinbaren eines Treffens sein. Zu Zeiten, in denen es noch kein Handy gab, traf man Menschen zufällig im Dorf und machte sich ein Treffen aus, bei dem man nie 100% sicher gehen konnte, ob die andere Person auch wirklich erscheint. 

3. Schaue eine Dokumentation oder lies ein Buch! 

Falls dein Kind keine direkte Kontaktperson aus der Großelterngeneration hat, dann gibt es dank digitalen Medien heutzutage die Möglichkeit, eine Dokumentation anzusehen. Bild und Ton machen diese Erfahrung sehr authentisch. Auch das Lesen eines Buches bietet viel Lernpotential über frühere Tage. 📺📙 

4. Geh in ein Seniorenheim!

Wo Schüler bestimmt eine Kontaktperson aus der Silent Generation (Jahrgänge 1928-1945) finden, ist im Seniorenheim. Alte Menschen freuen sich meist über den Kontakt zu jüngeren. Probier’s doch einfach mal aus und besuche regelmäßig eine alte Person, mit der dein Kind den Nachmittag verbringt. 👴

5. Mach bei einem Projekt mit! 

😊 Es gibt zahlreiche Projekte, die den Kontakt zwischen Jung und Alt fördern. Erkundige dich am besten in deiner Stadt bzw. deinem Ort und nimm einfach mal an einem Treffen teil. Nicht nur dein Kind profitiert von diesem Austausch, sondern auch die ältere Generation.

 

Fazit: Generationsübergreifender Kontakt ist überaus wertvoll!

 

Oftmals schätzen Schüler viele Dinge im Leben mehr, wenn sie erfahren, dass vieles früher schwieriger oder schlichtweg nicht verfügbar war, von Reisen über Computerspiele oder internationales Essen. Vieles davon ist mit Nachteilen, anderes aber auch mit Vorteilen verbunden. ✨

Sich mit diesen zeitlichen Unterschieden auseinander zu setzen bringt deinem Kind eine Weitsicht und stärkt vernetztes Denken. 🕸️ Gleichzeitig erfreuen sich ältere Menschen am Kontakt und fühlen sich oftmals wieder zum Leben erweckt, weil sie Wertschätzung und Interesse am eigenen Leben erfahren. 

Wir wünschen dir und deinem Kind viel Spaß beim Entdecken der früheren Generation! 🤩