Ich habe mit meiner Freundin Carolin gesprochen, die als Logopädin arbeitet, und die wichtigsten Infos zum Stottern bei Kindern für euch zusammengefasst. Also fangen wir mal von vorne an! Deshalb nehmen wir das Thema in diesem Artikel mal genauer unter die Lupe.
Wir alle verhaspeln uns mal oder kommen einfach nicht auf ein Wort. Ab wann spricht man aber vom Stottern?

Und was könnt ihr tun, wenn euer Kind stottert? 🤔 

Stottern ist jedenfalls noch lange kein Grund für eine Sonderbehandlung in der Schule. Und es sollte erst recht kein Tabuthema sein! 🙅 

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Was ist Stottern? 🗣️ 


Das Wichtigste zuerst: Stottern hat absolut nichts damit zu tun, dass euer Kind weniger intelligent ist. 🧠 

Wenn ein Kind stottert, weiß es genau, was es sagen will. Es fällt ihm aber schwer, die Wörter richtig rauszubekommen. Das äußert sich auf verschiedenen Ebenen und wird in Kern- und Begleitsymptome unterteilt:


Kernsymptome:

Sprachliche Ebene 🗣️ 

  • Laute, Aussprache und Atmung werden blockiert (z.B. “ich heiße (----- gepresste Pause) Marie”)
  • Laute oder Silben werden wiederholt (z.B. “g-g-g-g-g-ehen” oder “lau-lau-lau-laufen”)
  • Laute werden gedehnt (z.B. aaaaaber)
  • Wörter werden durch Ersatzwörter ausgetauscht (z.B. “Ich esse gerne O-o-o-o… Früchte!”, wenn das Kind “Obst” sagen wollte)

 

Begleitsymptome:

Sprachliche Ebene 💬

  • Füllwörter wie “ähm, ja, also” oder Starter (Floskeln, flüssig gesprochene Wörter oder Silben) werden verwendet
  • das Kind spricht deutlich schneller
  • es vermeidet bestimmte Wörter, stellt Sätze um oder bricht sie ab, umschreibt Begriffe

 

Nicht-Sprachliche Ebene 🧍 

  • körperliche Anspannung und/oder Mitbewegung von Körperteilen oder im Gesicht (z.B. Zucken oder Blinzeln)
  • Atem- und Stimmgebung verändern sich
  • Herzrasen, Schwitzen oder Zittern

 

Psychische Ebene 🧠 

  • Angst vorm Sprechen
  • das Kind schämt sich, ist frustriert oder angespannt
  • es vermeidet bestimmte Situationen, wie zum Beispiel Anrufe oder Präsentationen in der Schule, und bricht den Blickkontakt ab
  • das Ganze kann bis hin zu starken Ängsten vor sozialen Situationen führen, die für das Kind sehr einschränkend sein können (besonders dann, wenn das Kind für sein Stottern von Mitschülern gemobbt wird)

 

Ihr seht: Viele Aspekte, die mit dem Stottern einhergehen, sind gar nicht unbedingt sichtbar. Und das sind eigentlich genau die Aspekte, auf die wir besonders schauen sollten. 👀 

Denn im schlimmsten Fall kann sich euer Kind dadurch komplett zurückziehen und dadurch Probleme haben, Freunde zu finden. Aber das lässt sich zum Glück rechtzeitig vermeiden! ✋ 

👉 🎥 In diesem Video von der Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V. findet ihr eine kurze Erklärung zum Stottern. 

 

Woher kommt Stottern? 🧠 

Kein Grund, sich selbst Vorwürfe zu machen. Wenn euer Kind stottert, dann habt ihr keine Schuld daran! Stottern wird nicht durch Erziehungsfehler ausgelöst. Ihr könnt aber im Gegenteil dafür sorgen, dass das Stottern sich nicht verstärkt oder das Leben von eurem Kind negativ beeinflusst. ☝️ 

So ganz erforscht ist Stottern noch nicht. Auffällig ist, dass das Stottern familiär gehäuft auftritt - das heißt, es ist sehr wahrscheinlich, dass die Veranlagung zum Stottern vererbt wird. Das heißt aber auch, dass ein stotterndes Familienmitglied nicht automatisch bedeutet, dass die anderen Familienmitglieder auch stottern werden. 👪 

Stottern ist nicht ansteckend! 😷
Wenn ein Kind umgeben ist von Stotterern, schaut es sich das nicht etwa ab und fängt dadurch selbst an zu stottern. 

 

Was löst Stottern aus? 👀  


Bei 75% der stotternden Kinder macht sich das Stottern zwischen 2 und 4 Jahren bemerkbar. Bei fast allen Kindern treten die ersten Symptome spätestens auf, bis sie 12 Jahre alt sind. 👶

Belastende Ereignisse - das kann ein Unfall oder die Geburt eines Geschwisterkindes sein - sind keine Ursachen fürs Stottern, können aber bei einer Veranlagung fürs Stottern zum Auslöser werden. 💣

Bei Kindern, die stottern, liegt eine motorische Störung der Sprechorgane vor und/oder die Nervensignale fürs Sprechen werden anders verarbeitet. Das Sprechzentrum in der linken Hirnhälfte ist verändert und wird schwächer aktiviert. Stattdessen haben Forscher mehr Aktivität in der rechten Hirnhälfte erkennen können. 🧠 

 

Wie äußert sich Stottern? 🧐 

Das Stottern äußert sich bei jedem Kind ganz unterschiedlich. Es kann in unterschiedlichen Situationen auftreten und ist unterschiedlich stark ausgeprägt. 🦄 

Häufig spielt auch eine Rolle, in welcher seelischen Verfassung sich das Kind gerade befindet. Es gibt also keine universelle Formel fürs Stottern - selbst bei dem gleichen Kind tritt es nicht immer gleich stark auf. ☝️ 

 

Entwicklungsstottern bei Kindern 🧒

Kein Grund zur Sorge, wenn euer Kind nicht ganz flüssig spricht. Bis zu 80% der Kinder im Vorschulalter sprechen noch nicht flüssig - das macht sie aber nicht automatisch zu Stotterern. 💬

Carolin hat mir erzählt, dass es in einem bestimmten Alter ganz normal ist, dass Kinder beim Sprechen stocken. Wenn euer Kind etwa zwischen 2 und 5 Jahren alt ist und nicht hundert Prozent flüssig spricht, dann solltet ihr nicht gleich in Panik verfallen! 😌 

Am besten ist es, das (vermeintliche) Stottern erstmal ein wenig zu beobachten. Kneift euer Kind die Augen zu, schaut es auf den Boden beim Reden? Versucht es vielleicht bestimmten Situationen aus dem Weg zu gehen und fühlt sich nicht wohl?  🥺 

Das sind gute Anzeichen dafür, dass das Kind beim Sprechen leidet - und dann solltet ihr das Ganze am besten abklären lassen. 🧐 

 

Carolins Tipp: Wenn ihr euch unsicher seid, dann geht immer zum Kinderarzt und lasst euch ein Rezept zum Logopäden oder Sprachtherapeuten ausstellen. Die Experten schauen sich das dann genauer an und können euch bei der Therapie helfen! 🧑‍⚕️

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Kann Stottern geheilt werden? 🏥

So manches Kind würde es sich vielleicht wünschen, aber es gibt keine Pille und kein Wunderheilmittel gegen das Stottern. Aber das braucht es auch gar nicht! 🚫💊 

Mit Therapie und guter Unterstützung von Familie und Freunden lässt sich das Stottern nämlich sehr gut in den Griff bekommen. 💪 

Besonders bei Vorschulkindern legt sich das Stottern häufig sogar mit der Zeit von selbst. Bei sogar etwa 75-80% der Kinder lässt das Stottern bis ins frühe Schulalter nach. 📉 


“Spontane Heilung” nennt sich das - von einer Wunderheilung kann man dabei aber nicht sprechen! 🌈 


Eins ist wichtig, sagt Carolin: Stottern ist nicht einfach mit einem Gang zum Logopäden und Sprachtherapie behoben. Ihr als Eltern könnt und solltet euer Kind im Alltag dabei unterstützen, das Stottern zu akzeptieren und selbstbewusster damit umzugehen. 😎 


Je früher mit einer Therapie angefangen wird, desto größer die Chance, dass das Stottern bis zur Pubertät vollkommen nachgelassen hat. Denn je länger das Kind schon stottert, desto schwieriger ist es, wieder zum flüssigen Sprechen zurückzugelangen. 💪 


Mit dem Alter wird es immer unwahrscheinlicher, dass das Stottern beginnt - aber leider auch immer schwieriger, es dann loszuwerden. Doch Hopfen und Malz sind definitiv nicht verloren! 🔥 


Im Zweifelsfall kann eine Therapie zumindest dabei helfen, die Lebensqualität mit Stottern zu verbessern. 🚀 


Welche Therapie für Stottern?


Was in der Sprachtherapie geübt wird, muss auch im Alltag regelmäßig angewendet und trainiert werden, um auf Dauer zu helfen. Deswegen werden die Eltern - gerade bei jüngeren Kindern - auch häufig mit in die Therapie einbezogen. Denn es geht schließlich um etwas, woran ihr mit eurem Kind jeden Tag arbeitet. 🤝 


👉 Wenn ihr Hilfe dabei braucht, die richtige Therapie zu finden, findet ihr hier ein paar gute Tipps für Anlaufstellen. 


Carolin hat mir von ein paar Methoden erzählt, die in der Therapie verwendet werden: Dabei unterscheiden Logopäden in direkte und indirekte Therapie. 


Direkte Therapie setzt direkt bei den Sprachproblemen an, während die indirekte Therapie sich auf die Begleitsymptome und Folgen wie Ängste, Stigma und geschwächtes Selbstbewusstsein konzentriert. 👀

 

Direkte Therapie 

In der direkten Therapie lernen die Kinder zum Beispiel, Sätze kurz abzubrechen und nochmal neu anzufangen. Oder aber: Euer Kind weiß, dass es bei bestimmten Worten oder Lauten eine Blockade hat? In dem Fall kann es zum Beispiel ein kleines H voranstellen, was dabei hilft, besser ins Wort “hineinzuflutschen”. 


Indirekte Therapie

Bei der indirekten Therapie ist es besonders wichtig, dass die Eltern mitarbeiten. Wenn ihr euer Kind dabei unterstützt, das eigene Stottern zu akzeptieren, lernt es auch die Kontrolle über das eigene Stottern zu gewinnen. 💪 


Wichtig ist, dass euer Kind sich nicht durch das Stottern definieren lässt. Wenn es lernt, selbstsicher mit dem Stottern umzugehen, entwickelt es auch keine Angst vorm Sprechen und geht bestimmten Situationen nicht mehr aus dem Weg. 🏋️ 


Für besonders schwierige Situationen werden in der Therapie Strategien zum Lösen von Problemen gelernt. Und so wird euer Kind auf verschiedenste Situationen im Alltag vorbereitet. Dadurch kann es selbstständig die Sprachprobleme im Alltag bewältigen. 🚀 


Aber auch bei den direkten Therapiemethoden findet die Hauptarbeit eben im Alltag statt - und da muss das Kind selbst aktiv werden. Unterstützt euer Kind dabei, indem ihr es ermutigt! ❤️ 


Stottern fällt bei jedem Kind anders aus - deshalb muss die Therapie auch auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes eingehen. 🦄

Und noch eine Sache: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es zu Rückfällen kommt - deshalb sollte euer Kind und auch ihr darauf vorbereitet sein.

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Tipps für Eltern 🤝 


Okay, wir wissen jetzt also: Eltern sollten stotternde Kinder bei ihrer Therapie im Alltag unterstützen. Aber wie genau könnt ihr das konkret tun? 🤔 


💙 Vermeidet Drucksituationen!
Bleibt geduldig und hört eurem Kind mit Ruhe zu. Gut gemeinte Hilfestellungen wie “hol erstmal Luft” oder “ganz ruhig” können nach hinten los gehen. Je normaler sich die Situation für euer Kind anfühlt, desto besser! 

💙 Lasst euer Kind ausreden!
Ihr meint es mit Sicherheit nur gut, wenn ihr den Satz für euer Kind beendet, aber das kann genau in die falsche Richtung gehen. So kann es passieren, dass sich euer Kind nicht ernst genommen und demotiviert fühlt. 

💙 Sprecht das Stottern offen an!
Es ist kein Tabuthema! Das Stottern gehört zu eurem Alltag dazu - ignoriert es nicht einfach und geht offen damit um. 

💙 Reagiert entspannt und gelassen!
Euer Kind sollte nicht den Eindruck bekommen, dass das Stottern euch Angst macht oder es etwas Schlimmes ist. Anspannung, aber auch Entspannung, kann sich schnell von euch auf euer Kind übertragen. 

💙 Lobt euer Kind!

Ermutigt es, zu sprechen, damit es keine Angst vor Reaktionen von anderen auf sein Stottern bekommt. 

💙 Schaut euer Kind an, wenn es spricht!
Zeigt ihm dadurch, dass ihr ihm jetzt eure volle Aufmerksamkeit schenkt und interessiert daran seid, was es euch erzählt (und nicht wie).

💙 Informiert euer Umfeld!

Ihr wisst am besten, wie euer Kind mit dem Stottern umgeht. Gebt anderen Familienangehörigen oder der Schule Bescheid, damit sie mit euch zusammenarbeiten können. 


Kurz gesagt: Anforderungen und Druck können dafür sorgen, dass das Stottern sich verschlimmert. Schafft eine angenehme und offene Umgebung, in der sich euer Kind wohlfühlt und ihr gemeinsam an den Therapiezielen arbeiten könnt. 🧘  


Hier bei GoStudent lernt euer Kind in Wohlfühlatmosphäre. All unsere Tutoren nehmen sich Zeit, um auf die individuellen Bedürfnisse eures Kindes einzugehen. Bucht doch gleich hier eine kostenlose Probestunde und überzeugt euch selbst! 🧑‍🏫 


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