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ERZIEHUNG

Mehrsprachigkeit bei Kindern: So geht es!

Kapitel

  1. Was ist Mehrsprachigkeit? Die Definition
  2. Die Vorteile von mehrsprachiger Kommunikation

  3. Mehrsprachigkeit bei Kindern: 7 Tipps wie Kinder mehrsprachig aufwachsen können 
  4. Statistiken: Wie viele Kinder wachsen mehrsprachig auf? 

Lange Zeit hieß es, wer mehr als eine Sprache gleichzeitig lernt, könnte Intelligenzdefizite entwickeln. Man könne die Sprachen nicht unterscheiden, vermische sie und am Ende beherrsche man keine der beiden gut. Diese Annahme haben sämtliche Experten widerlegt

Kinder können ohne Probleme mehr als eine Sprache gleichzeitig erlernen und ausgezeichnete Kompetenzlevel erreichen. Mehrsprachigkeit bringt eine Vielzahl an Vorteilen mit sich: von erhöhter Empathie, also Einfühlungsvermögen, bis hin zu einer schnelleren Verarbeitung von Informationen und gezielterer Aufmerksamkeit. ⚡

Doch: Worauf sollte man als Elternteil beim Weitergeben des kostbaren sprachlichen Gutes achten? ⏩ In diesem Beitrag erfährst du, welche Regeln einzuhalten sind, damit ein Kind mehrsprachig aufwachsen kann. 🗣️

mehrsprachiger Teenager

Was ist Mehrsprachigkeit? Die Definition 

 

Mehrsprachigkeit ist die Fähigkeit, mehr als eine Sprache sprechen und / oder verstehen zu können. Andere Begriffe für Mehrsprachigkeit sind Multilingualismus oder Plurilingualismus. 

Viele Linguisten gehen davon aus, dass Mehrsprachigkeit “weder verbunden mit frühkindlichem Spracherwerb, noch mit perfekter Sprachbeherrschung, noch zwingenderweise mit Schriftlichkeit” ist. Das heißt, sowohl ein tschechischer Gastarbeiter in Österreich, der neben Tschechisch auch Deutsch zur Kommunikation bei seiner Arbeit in Österreich verwendet, als auch die EU-Dolmetscherin für Französisch und Englisch, sind zweisprachig. 💬

Gründe für Mehrsprachigkeit können individuelle sein. Zum Beispiel die Heirat zweier verschiedensprachiger Menschen 💍, das Aufziehen eines Kindes in zwei unterschiedlichen Sprachen, das Auswandern aus einem Land, und noch viele mehr. 

Gründe für Mehrsprachigkeit können aber auch gesellschaftlich sein, etwa das Leben in einem mehrsprachigen Land, wie der Schweiz. Auch Minderheitsgruppen, wie die Katalanen in Spanien oder die Kurden in der Türkei, haben ihre eigene Sprache. Schließlich tragen institutionell vorgegebene Faktoren, wie etwa in der Schule gesprochene Sprachen, zu Mehrsprachigkeit bei. 🏫

Hier sind drei bedeutende Begriffe, die wichtig für das Verständnis des Themas sind:

  • einsprachig oder monolingual = eine Person, die eine Sprache spricht
  • zweisprachig oder bilingual = eine Person, die zwei Sprachen spricht
  • mehrsprachig oder plurilingual = eine Person, die mehr als zwei Sprachen spricht

 

Die Vorteile von mehrsprachiger Kommunikation 

 

Mehrsprachigkeit bietet eine breite Palette an Vorzügen für Kinder. Schauen wir uns jetzt an, was genau so toll am Erlernen mehrerer Sprachen ist. 

Interkulturelle Kompetenzen 

Eine andere Sprache öffnet gleichzeitig die Tür zu einer anderen Kultur. Nicht nur das Interesse für diese Kultur, sondern auch das Verständnis nimmt nach und nach zu, was wiederum zu einem offeneren und tolteranteren Umgang mit anderssprachigen Menschen beiträgt. 🚪

Kreativität und Empathie 

Durch das Erlernen mehrerer Sprachen werden kommunikative Fähigkeiten entwickelt, die einen Menschen kreativer werden lassen. Beim Lösen von Missverständnissen etwa sind mehrsprachige Menschen lösungsorientierter. Auch das Hineinversetzen in andere gleichaltrige Kinder (d.h. Empathie) fällt bi- oder plurilingualen Schülern leichter. ✨ 

Leichtigkeit beim Erlernen weiterer Sprachen 

Meistens fällt zwei- oder mehrsprachigen Schülern das Erlernen einer neuen Sprache leichter, weil sie bereits ein Gefühl für die Systematik der Sprache entwickelt haben. 🧠 

❗ Aber aufgepasst: Das trifft nur bei einer guten stabilen Basis zu! Je kompetenter der Schüler in den Erstsprachen ist, desto leichter ist das Erlernen einer neuen Sprache. Findet etwa die Kommunikation zwischen einem Elternteil und Kind (fast) immer auf gebrochenem Deutsch statt, welche der Elternteil aber nicht als Muttersprache spricht, so wird das Ausdrucksvermögen vermutlich beschränkt bleiben. Schließlich können abstrakte und komplexe Themen am besten auf der Erstsprache besprochen werden. 

Daher ist es viel empfehlenswerter, sich als Elternteil mit dem Kind IMMER auf der eigenen Erstsprache zu unterhalten, anstatt eine Zweit- oder Drittsprache zu wählen, die nicht 100%ig sitzt. ✔️

Erhöhte Gedächtnisleistung 

Das Erlernen zweier oder mehrerer Sprachen hat - entgegen vieler Befürchtungen - keinen negativen Einfluss auf die Intelligenz eines Kindes. Besonders hervorragend ist jedoch die positive Beeinflussung der Gedächtnisleistung. Bi- oder plurilinguale Kinder wissen eher, was in ihren Köpfen vorgeht, als einsprachige Kinder. Wenn sie etwa Vokabeln oder Grammatik lernen, so sind sie sich ihrer angewandten Lernstrategien eher bewusst. 🔥

Wie Mehrsprachigkeit unser Gehirn verändert 

Das Erlernen mehrerer Sprachen prägt unsere geistige Flexibilität aus. Die Aufmerksamkeit ist höher als bei einsprachigen Genossen, denn mehrsprachige Leute sind gegenüber Ablenkungen resistenter, da ihre Konzentrationsfähigkeit stärker ist. Kommt etwa der dänische Onkel zu Besuch, fokussiert sich die mehrsprachige Person automatisch auf Dänisch und blendet die andere(n) Sprache(n) einfach aus, weil sie gerade unwichtig erscheinen. 🧐

Eine mehrsprachige Person muss ständig Entscheidungen treffen - darüber, auf welcher Sprache ein bestimmtes Wort gesagt wird. Durch diese Gewohnheit an Entscheidungsprozesse fällt die Wahl leichter, sich auf wichtige Informationen anstatt unbedeutsame Ablenkungsmanöver zu fokussieren. 🤓

Wissenschaftler haben auch herausgefunden, dass Mehrsprachige im Durchschnitt erst fünf Jahre später mit Alzheimer diagnostiziert werden, denn verschiedene Sprachen halten unser Gehirn fit. 🧠

Erhalt des Sprachenreichtums 

Lehrst du deinem Kind deine Erstsprache, egal welche, so trägst du zum Erhalt der Sprachenvielfalt unserer Erde bei. Sprachen sind bunt und jede einzelne Sprache ist schön! 🟣🟡🔴 Allerdings geht alle zwei Wochen etwa eine Sprache verloren aus verschiedenen Gründen: Kriege, Unterdrückung, Sprachvermischung und Globalisierung sind Faktoren, die Sprachen aussterben lassen. Dies könnte dazu führen, dass wir in Zukunft irgendwann nur mehr wenige globale Sprachen hören können, was Identitäts- und Kulturverlust, bis hin zu Wissensverlust und erhöhte Arbeitslosigkeitsrate zur Folge hätte. 

Aktuell werden etwa 6.000 Sprachen weltweit gesprochen, doch nach Schätzungen der UNESCO werden wir wohl bis zum Ende des 21. Jahrhunderts etwa die Hälfte davon verlieren. Am meisten bedroht sind die indigenen Sprachen. 

 

Mehrsprachigkeit bei Kindern: 7 Tipps wie Kinder mehrsprachig aufwachsen können 

 

1 - Sprich auf deiner Erstsprache mit deinem Kind!

Auf unserer Muttersprache können sich die meisten von uns am besten ausdrücken. Es ist die Sprache, die uns (meist) schon seit unserer Geburt begleitet. Wir können Gedanken, Gefühle und Abstraktes äußern, so komplex sie auch sein mögen. Auch wenn du in einem Land lebst, in dem deine Erstsprache keine der dort offiziellen Sprachen ist, sprich unbedingt deine Muttersprache! Das ist am besten für die Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund. Würdest du auf einer Sprache kommunizieren, in der z.B. dein Wortschatz eingeschränkt ist, so würde deinem Kind eine gute sprachliche Basis fehlen. Außerdem fällt es dir bestimmt leichter, dein Kind auf dieser Sprache zu trösten 😥, nicht wahr?

2 - Stelle klare und konsequente Regeln auf!

Es ist möglich, mehrere Sprachen gleichzeitig zu erwerben. Das A&O dabei sind klare Regeln! Eine bestimmte Sprache soll immer mit einer bestimmten Person oder in einer bestimmten Situation gesprochen werden. Auf keinen Fall sollte ein willkürlicher Wechsel zwischen mehreren Sprachen erfolgen. Das führt zu Verwirrungen. 😕

Hier ein Beispiel in einer Familie mit Migrationshintergrund: Nehmen wir an, der Vater spricht Türkisch und die Mutter Deutsch. Finden Gespräche zwischen nur einem Elternteil und dem Kind statt, dann spricht jeder der Elternteile die eigene Erstsprache mit dem Kind. Die Familiensprache ist aber Englisch, denn die Mutter kann kein Türkisch und das Deutsch des Vaters ist limitiert. Durch das Aufwachsen in Österreich lernt das Kind später im Kindergarten und in der Schule Deutsch. 📜

 

3 - Hab eine positive Einstellung gegenüber aller Sprachen deines Kindes! 

Je positiver dein Kind die Verwendung der Sprachen erfährt, desto lieber wird es in der Sprache sprechen. Wenn du dich für deine Sprache schämst und etwa außerhalb deiner vier Wände nie deine Erstsprache verwendest, so kann das den Eindruck erwecken, dass diese Sprache nicht wertvoll ist. Und: Jede einzelne Sprache ist ein kostbarer Schatz! Egal wie die Politik zu ihr stehen mag! 😊

4 - Sei ein sprachliches Vorbild für dein Kind! 

Dein Kind wird zu dir aufschauen, wenn es um Sprachen geht. Sprichst du auch die anderen Sprachen deines Kindes, auch wenn nur ein bisschen? Gehst du zum Beispiel in den Supermarkt einkaufen und sprichst mit der Verkäuferin auf Deutsch? Das macht einen guten Eindruck bei deinem Kind, denn so sieht es, dass auch diese Sprache einen Wert für dich als Elternteil hat. 🦸

5 - Biete deinem Kind genügend Gelegenheiten zum Sprechen! 

Prinzipiell bestimmen zwei Faktoren das “natürliche” Erlernen einer Sprache: je früher das Kind mit der Sprache konfrontiert wird und je häufiger es Sprechgelegenheiten gibt, umso weniger muss es sich um den Spracherwerb anstrengen. Ein wichtiger Tipp für die Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund: Versichere dich, dass es für alle Sprachen eine Möglichkeit zum Praktizieren dieser gibt. 🗨️

Essentiell sind gemeinsame Aktivitäten, wie zum Beispiel Bilderbücher anschauen, vorlesen, Geschichten erzählen, singen, spielen und über Erlebtes sprechen. 🎶📚

Fernsehen als einziges Sprachangebot ist nicht besonders nachhaltig, weil der Kontakt und Austausch entscheidend ist, der beim Fernsehen fehlt. Stelle Kontakte zu Personen her, die eine Sprache sprechen, die dein Kind weniger oft praktiziert. Lade doch zum Beispiel einen Schulkollegen deines Kindes zu dir nachhause ein oder suche einen online Tandempartner!

6 - Sei keine Sprachlehrerin! 

Bleib cool, auch wenn dein Kind mal den ein oder anderen Fehler macht. Hör ihm zu und lass es aussprechen. Korrigiere dein Kind nicht und fordere es nicht zum Nachsprechen auf! Gewisse Fehler sind in der Sprachentwicklung ganz normal und legen sich normalerweise auch wieder. Wiederhole stattdessen vielleicht nochmal, was dein Kind gesagt hat. Bei der Wiederholung zeigst du einerseits Verständnis, andererseits bist du aber auch ein Sprachvorbild, ohne dein Kind zu tadeln. ❌

7 - Bleib bei deiner Erstsprache, auch wenn dein Kind eine andere Sprache spricht! 

Auch wenn dein Kind von der Schule heimkommt und dir plötzlich auf Deutsch vom Tag erzählt, antworte immer auf deiner Erstsprache! Kinder sprechen oft vorübergehend eine andere Sprache zuhause, weil sie sie als wichtiger einschätzen oder sie besser können. Gerade hier ist es wichtig, die Gelegenheit für die weniger häufig gesprochene Sprache zu geben und dem Kind das Gefühl zu vermitteln, dass auch die Erstsprache wichtig ist. Dein Kind darf trotzdem selbst entscheiden, welche Sprache es wann und mit wem sprechen möchte. 

Sogenanntes “code-switching”, also das Vermischen von Sprachen, ist ganz normal in einer bestimmten Entwicklungsphase und bereitet absolut keinen Grund zur Sorge! Manchmal kann man auch eine etwas verlangsamte Sprachentwicklung bei mehrsprachigen Kindern beobachten. Die Sätze sind zu Beginn oft einfacher und der Wortschatz kleiner. Normalerweise sind diese Phänomene temporär und schon bald wird dein Kind beide Sprachen voneinander trennen können und komplexere Sätze bilden. 👌

 

Statistiken: Wie viele Kinder wachsen mehrsprachig auf? 

 

Erfahre hier, wie viele Kinder eigentlich mehrsprachig im deutschsprachigen Raum aufwachsen:

  • In Deutschland sprechen etwa 21 % eine andere Sprache als Deutsch zuhause (Stand: 2020). In Berlin beträgt der Anteil der mehrsprachigen Kinder etwa 31 % (Stand: 2020).
  • In Österreich wächst mehr als ein Viertel (26%) mit mehr als einer Sprache auf, in der Bundeshauptstadt Wien sind es sogar 52%. Die Daten stammen aus dem Schuljahr 2018/19.
  • In der Schweiz wachsen - aufgrund der speziellen Situation - sogar über 40 % der Kinder mehrsprachig auf. (Stand: 2021)

Die Tendenz ist im gesamten DACH-Raum steigend. 📈


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